Mouhcine Werke


Ein marokkanischer Flüchtling aus Osthofen erzählt...


Black Beauty

  

Dieses Bild habe ich für meinen Freund gemalt. Er kommt aus Afghanistan und liebt schwarze Pferde, deshalb wollte ich ihm mit diesem Bild eine große Freude bereiten. 


 

 Meine kleine Heimat

 

 Osthofen ist wie meine kleine Heimatstadt, hier fühle ich mich wohl.

Auch die Lage erinnert mich an meine alte Heimat, da neben meiner kleine Stadt eine größere Stadt ist, wie Worms.

 

Dort habe ich genauso viele Freunde gefunden, wie in meiner alten Heimat.

 


 

Mit diesen Bildern möchte ich mich bei meinem Lehrer bedanken. 

Ohne ihn könnte ich jetzt nicht so gut Deutsch und wäre nicht so weit gekommen. 

Vielen Dank Herr Steiner, dass Sie sich so herzlich um mich kümmern!


Krieg

 

Der Krieg hat die Steine zu Sand zermahlen,

Städte und Dörfer sind zerbombt,

Familien und Kinder haben ihr Zuhause verloren.

Sie wurden gewaltsam voneinander getrennt.

Starke und aufrechte Menschen,

in innerster Seele zerstört und gebrochen.

Das Leben selbst ist auf der Flucht.

Das Feuer der Heimat wärmt sich nicht mehr.

In den Köpfen der geflohenen Menschen

Bleibt die Hoffnung unzerstörbar zurück.

Hoffnung der Rückkehr, 

Rückkehr ins Ungewisse.


„Auf meinem Klavier sind nur schwarze Tasten“

Mouhcine Attari ist 18 Jahre alt, hat gerade drei Wochen Praktikum in einem Malerbetrieb absolviert und darum gebeten, übernommen zu werden. Er liebt es zu zeichnen: „Ich zeichne traurige Bilder, wenn ich traurig bin und fröhliche, farbenfrohe, wenn ich glücklich bin. Am liebsten verwirkliche ich meine Ideen und Gefühle mit Ölfarben, damit man die Bilder auch in 1000 Jahren noch anschauen kann.“ Er lächelt. Es gibt viele Geschichten, die dieser ähneln, es gibt viele junge Männer, die eine Malerausbildung beginnen und Freude daran haben zu zeichnen. Dennoch unterscheidet sich die Geschichte Mouhcines grundlegend von den meisten anderen. Es sind seine tiefen Augenringe, die Anstrengung in seiner Stimme, die so viel älter wirkt, als sie es sollte, es ist der Weg von Marokko nach Deutschland, ganz alleine, ohne Familie. Es ist das Ankommen in einem fremden Land, wortlos, gezwungen, erst mühsam die Sprache zu erlernen, um sich hier ein Leben aufzubauen mit nichts weiter als einem Traum und einem Kopf voller Bilder. „Ich habe bereits in Marokko begonnen eine Design-Ausbildung zu machen, aber ich habe sie dort nicht beendet. Design ist auch das was ich hier am liebsten weiterlernen würde“, sagt der junge Marokkaner in schon sehr gutem Deutsch. Nach seinem Praktikum hat er gehofft, von dem Malerbetrieb in eine Ausbildung übernommen zu werden, aber der Firmenchef hat ihn abgelehnt, weil er „zu viele Probleme hat“.

Zu viele Probleme hat Mouhcine tatsächlich, denn er hat eine Abschiebung erhalten und muss wieder zurück nach Marokko. Dann ist es zu Ende mit seinem Traum von einem besseren Leben im sicheren Europa. Deshalb kämpft er und hat einen Rechtsanwalt engagiert, der Einspruch einlegt. Schüchtern lächelnd erzählt er, wie er auf einem Frachtschiff über das Meer bis an die spanische Grenze zusammen mit vier weiteren Personen illegal transportiert worden ist. Kurz vor Erreichen des Landes musste er wegen Polizeikontrollen an Land aus dem Boot springen und den Rest des Weges schwimmen. Deutschland sei von Anbeginn der Reise sein Ziel gewesen, erzählt er. Unruhig fährt er sich durch die Haare: „Ich bin jetzt nicht in dem Zustand zu reisen. Ein Freund von mir, ein Eritreer, der seit einem Jahr in Deutschland war, hat sich umgebracht. Er hatte keine Geduld mehr zu warten. Er war mein bester Freund in Deutschland. Er hat sich ertränkt. Das hat mich wirklich tief getroffen.“ At Taris Leben besteht jetzt auch aus warten, warten auf die Gerichtsverhandlung, warten auf das Ergebnis, Widerspruch einlegen, weiterkämpfen. Er erzählt eine kleine Geschichte, die sein Vater ihm mit auf den Weg gegeben hat: „Das Leben hat schwarze und weiße Tasten. Weiß steht für die schönen Seiten des Lebens, schwarz steht für die schlechten Seiten des Lebens. Nur mit beiden zusammen kann man schöne Musik machen“, er macht eine kurze Pause trinkt einen Schluck Kaffee und fügt dann leise hinzu: „Aber momentan sehe ich auf meinem Klavier nur schwarze Tasten. Ich weiß nicht mehr weiter.“

Text: Anna Mielke/ Presseagentur Die Knipser




Kindheit

 

In der Kindheit ist noch alles neu. Wenn Kinder zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum sehen oder den Geruch von Kuchen in der Winterzeit riechen.

Die vielen Lichter, Geräusche und Lichter auf dem Weihnachtsmarkt sehen ist sehr schön zu sehen. Die Erwachsenen sind oft im Stress, sie haben oft keine Zeit oder es sie denken, dass sie schon alles kennen. Wenn Erwachsene versuchen etwas mit den Augen eines Kindes zu sehen, werden viele Sachen schöner. Zum ersten Mal mit großen Augen den Weihnachtsmarkt bestaunen, oder in frisches Gebäck zu beißen. Sich wie ein kleines Kind auf Weihnachten freuen und zusammen mit der Familie sein.


Meine Träume

 

Ich male meine Träume wie immer und wenn ich sie nicht realisieren kann, dann habe ich sie wenigstens mit meinem Pinsel festgehalten. Denn mein Pinsel ist mein bester Freund, der meine Träume, meine Trauer und meine Ambitionen mit mir teilen kann.
Meine Träume sind nicht viel anders als die von Anderen, aber ich finde sie weit weg und nicht einfach zu erreichen.
Ich träume nur von Stabilität, Sicherheit, einer Welt ohne Krieg und einer Arbeit, die meine Würde bewahren kann.


Der Name dieses Bildes ist Kindheit. Alle Kinder lieben und leben im Hier und Jetzt und nicht in der Zukunft. Sie machen sich keine Gedanken darüber was morgen passiert. Dieses Bild erzählt wie glücklich Kinder sein können ohne Krieg, Schläge und Misshandlungen.


"Es gibt verschiedene Gründe und viele Probleme die uns in unserer sogenannten Jugendzeit beraubt haben. Alles dreht sich um den Kapitalismus. Zeit ist Geld. Wir konnten keine stabile Arbeit und kein stabiles Leben finden. Ich bin nach Deutschland geflüchtet vor der unerträglichen Wahrheit, die dort unsere ist. Heute lebe ich hier mein Leben in einem Haus mit meinen geflüchteten Freunden. Sie haben die gleichen Träume wie ich und das Herz voller schmerzlicher Erfahrung, die wir wegen diesem komplizierten Leben gesammelt haben."


Ein weiteres Werk unseres Künstlers Mouhcine. „Hände“ – ein Selbstporträt von Mouhcine, welches er noch in Marokko gemalt hat. Er hat es auf seiner Flucht mit nach Deutschland genommen. Wieder ein Beweis für sein Talent.
Ein weiteres Werk unseres Künstlers Mouhcine. „Hände“ – ein Selbstporträt von Mouhcine, welches er noch in Marokko gemalt hat. Er hat es auf seiner Flucht mit nach Deutschland genommen. Wieder ein Beweis für sein Talent.

Junger Flüchtling mit außergewöhnlichem Talent

 

Beim Picknick im Park wurde die Osthofener Zeitung auf den 17-jährigen Mouhcine aufmerksam. Dort stellte er seine Bilder aus. Er lebt seit Januar 2016 in der Interkulturellen Wohngruppe in Osthofen und wird dort zusammen mit acht anderen Jugendlichen verschiedener Herkunft betreut. Derzeit besucht er die Karl-Hofmann-Schule in Worms, wo er ein BVJ macht. Ab dem kommenden Sommer kommt er in eine Sprachklasse, in der er seine bereits vorhandenen Deutschkenntnisse ausbauen wird. 

 

Riskante Flucht

Mouhcine, der in seinem Heimatland Marokko keine berufliche Perspektive sieht, hatte sich dazu entschieden, nach Europa zu kommen. Hier hofft er, einen Beruf erlernen zu können und vielleicht auch Anerkennung für sein Talent, auf welches später noch eingegangen wird, zu erhalten. Sarhane B., ein seit zwölf Jahren in Deutschland lebender Marokkaner, der in der Interkulturellen Wohngruppe derzeit ein Praktikum macht, übersetzt uns den Bericht von Mouhcine über seine Flucht.

Nachdem Mouhcine Kontakt zu einem Schleuser aufgenommen hatte, versprach dieser ihm und anderen Flüchtlingen, sie mit einem Schiff bis kurz vor die spanische Küste zu bringen. Das Schiff war dann ein Boot und die Insassen wurden in der Nacht weit vor der Küste aufgefordert, den Rest zu schwimmen, oder wieder mit zurückzufahren. Nach über 40 Minuten kam Mouhcine an der Küste an. Von Madrid ging es dann mit dem Zug nach Paris, von dort aus, wieder über Schleuser, mit dem Auto nach Italien und dann nach Deutschland. Nicht nur, dass die Flucht gefährlich war, alleine für die „Schiffsreise“ musste Mouhcine viel Geld bezahlen. In Deutschland ging es dann von Berlin nach Frankfurt, wo er sich selbst der Polizei stellte und die erste Zeit in der Jugendaufnahme der Stiftung Juventus in Mainz verbrachte, bevor er nach Osthofen kam. 

 

Talentierter Maler und Zeichner

„Mouhcine ist sehr interessiert an der deutschen Kultur, lernt schnell und malt immer, wenn die Zeit es zulässt und er Material hat“, erzählt Julia S., die die Jugendlichen mit betreut. Auf die Frage, ob er seine Familie vermisst, antwortet der junge Mann: „Sicher ist es schwer, dass ich meine Familie verlassen musste, aber hier habe ich eine neue Familie gefunden, die zwar meine richtige Familie nicht ersetzen kann, wo ich mich aber sehr wohl und geborgen fühle.“ Kontakt mit der Heimat hält er per WhatsApp, Facebook und, wenn es geht, auch über Skype. Er möchte gerne einen Beruf erlernen, der mit Farben, Malerei und Kunst zu tun hat. „Grafikdesign, Stuckateur oder Maler und Lackierer wären zum Beispiel seine Berufswünsche“, berichtet Mouhcine. Ein paar Kostproben konnten wir bewundern. Portraits, Landschaftsbilder, mit Stiften, Öl oder auch Wasserfarben gemalt, bzw. gezeichnet. Mouhcine malt, was ihm in den Kopf kommt und wofür er das Material hat. Er liebt Freskenmalerei. „Mouhcine hat nie eine Kunstschule besucht, er hat sich alles selbst beigebracht, informiert sich, wenn er die Möglichkeit hat, über das Internet“, berichtet Sarhane B. Nun sucht er einen Praktikumsplatz, besser noch einen Ausbildungsplatz. Derzeit hat er eine Aufenthaltsgestattung, der Asylantrag ist gestellt. Mit dem Nachweis eines Ausbildungsplatzes steigen die Chancen, dass Mouhcine nicht abgeschoben wird. Menschen, die helfen können oder wollen, dem jungen Marokkaner mit einem außergewöhnlichen Talent eine berufliche Perspektive zu ermöglichen, kann sich an die Redaktion der Osthofener Zeitung wenden. 

 

Text: Anette Bodderas-Schwarz / Presseagentur Die Knipser